Die Lebensqualität der Kinder im Rhein-Main-Gebiet

Die NORAH-Wissenschaftler interessierten sich nicht nur für die Leseleistungen, sondern auch für die gesundheitliche Lebensqualität der Kinder. Die Fragen, die sie den Kindern und ihren Eltern stellten, betrafen zum Beispiel die Schlafqualität oder das psychische und körperliche Wohlbefinden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Lebensqualität der Kinder im Untersuchungsgebiet insgesamt sehr hoch ist. Die vergleichsweise hoch mit Fluglärm belasteten Kinder und Eltern schätzten die gesundheitliche Lebensqualität der Kinder jedoch geringfügig schlechter ein als die gering belasteten. Der Effekt ist zwar klein, aber statistisch signifikant: Bei einer Zunahme des Fluglärms um zehn Dezibel (A) sank die Lebensqualität auf den drei- bis fünfstufigen Beurteilungsskalen um durchschnittlich 0,1 Skalenpunkte.

Die Lebensqualität aus Sicht der Kinder

Um zu erfassen, wie die Kinder ihre körperliche und psychische Lebensqualität beurteilen, baten die Wissenschaftler sie, verschiedene Fragen über die vergangene Woche zu beantworten.

Schlaf und psychisches Wohlbefinden

Zur Einschätzung des psychischen Wohlbefindens diente unter anderem die Frage, ob sich die Kinder in der vorhergehenden Woche gelangweilt hätten. Das Ergebnis: Je mehr Fluglärm, desto eher gaben die Kinder an, ihnen sei in der letzten Woche langweilig gewesen.

Mehr Medikamente und Sprech- oder Sprachstörungen

Insgesamt beantworteten 1.185 Eltern die Fragen der Wissenschaftler über die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Kinder. Hierbei machten sie auch Angaben über die Krankheiten, an denen ihre Kinder leiden, und über deren Fehlzeiten in der Schule. Bei den meisten dieser Antworten konnten die Wissenschaftler keine Unterschiede feststellen, die auf den Fluglärm zurückzuführen sind.

Bei zwei Fragen allerdings zeigte sich ein Zusammenhang zwischen den Antworten der Eltern und der Fluglärmbelastung. Zum einen gaben zehn Prozent der Eltern in vergleichsweise hoch belasteten Gebieten an, dass ihre Kinder derzeit ärztlich verordnete Medikamente einnehmen. In den mittel belasteten Wohngebieten waren es hingegen nur vier und in den gering belasteten Regionen knapp sechs Prozent.

Zum anderen antworteten in den hoch fluglärmbelasteten 14 Prozent der Eltern mit „Ja“ auf die Frage „Hat ein Arzt jemals bei Ihrem Kind eine Sprech- oder Sprachstörung festgestellt?“. In den gering belasteten Gebieten gaben nur zehn Prozent diese Antwort, in den mittel belasteten Wohngegenden acht Prozent.

Diese Ergebnisse sind statistisch eindeutig. Es wurde aber nicht abgefragt, um welche Art von Störung es sich genau handelte. Zum Vergleich: In Deutschland insgesamt liegt die Häufigkeit von Sprech- oder Sprachstörungen bei Kindern je nach Diagnosekriterium zwischen zwei und 15 Prozent. Der Zusammenhang sollte deshalb weiter untersucht werden. Wichtig zu wissen: Die von den Eltern als diagnostiziert benannten Kinder unterschieden sich in ihren Leseleistungen nicht von der Restgruppe.

 

Wie gern lernen die Kinder im Rhein-Main-Gebiet?

Einige Studien zeigen, dass eine hohe Lärmbelastung in der Schule auch die Einstellungen der Kinder zur Schule und zum Lernen beeinflussen kann. Deshalb hat sich die NORAH-Studie auch mit der „schulbezogenen Lebensqualität“ befasst.

Dazu bewerteten die Kinder Aussagen wie zum Beispiel „Ich freue mich, neue Sachen zu lernen“ und „Ich fühle mich in der Schule wohl“. Im Ergebnis zeigte sich ein statistisch signifikanter , aber sehr geringer Einfluss des Fluglärms auf die Beurteilungen. Kinder, die vergleichsweise starkem Fluglärm ausgesetzt sind, stehen dem Lernen und der Schule etwas weniger positiv gegenüber. Der Unterschied beträgt nur ein Achtel eines Skalenpunkts auf einer vierstufigen Skala.

Auch die Eltern und Lehrkräfte wurden gebeten, sich zur Schulzufriedenheit der Kinder beziehungsweise zum Klima in der Klasse zu äußern. Hier zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zum Fluglärm.

 




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