Lebensqualität und Belästigung

Die Lebensqualitätsstudie erforschte den Zusammenhang zwischen dem objektiv messbaren Schallpegel und den Aussagen der Menschen, die den Lärm hören, über ihr subjektives Erleben. Sie beleuchtet diesen Zusammenhang aus drei Perspektiven:

  • Im zeitlichen Verlauf: Wie entwickelt sich die Belästigung, wenn sich der Lärm verändert, zum Beispiel nach Ausbau eines Flughafens?
  • Im Vergleich zwischen Lärmquellen: Wie wirkt Fluglärm im Unterschied zu Straßen- oder Schienenverkehrslärm?
  • Im Standortvergleich: Beurteilen die Menschen im Rhein-Main-Gebiet Verkehrslärm anders als in Köln, Stuttgart oder Berlin?


Um das herauszufinden, befragten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Menschen im Umfeld der Flughäfen und setzten ihre Antworten anschließend mit dem Lärmpegel am jeweiligen Wohnort in Zusammenhang. Daraus bildeten sie sogenannte Belästigungskurven. Aus der Lage und der Steigung dieser Kurven leiteten sie Aussagen darüber ab, wie Menschen auf Lärm reagieren. Für Behörden bilden Belästigungskurven eine wichtige Grundlage, um Lärmschutzmaßnahmen zu beurteilen.

An den Befragungen nahmen teil:

  • Etwa 19.000 Menschen im Rhein-Main-Gebiet
  • Etwa 10.000 in der Umgebung der Flughäfen Köln/Bonn, Stuttgart und Berlin-Brandenburg

 

 

Zeitvergleich: Belästigung gestiegen

Das NORAH-Team befragte die Menschen im Rhein-Main-Gebiet 2011, 2012 und 2013 und verglich anschließend die Belästigungskurven. Am stärksten fühlten sich die Befragten – bei gleichem Lärmpegel – 2012 gestört, also im Jahr nach Eröffnung der neuen Landebahn. Dabei konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen sogenannten Change Effekt nachweisen: Befragte, an deren Wohnort der Lärm 2012 zugenommen hatte, fühlten sich nach der Veränderung stärker gestört als Menschen, bei denen ein vergleichbarer Schallpegel schon jahrelang herrschte. Auch Befragte, bei denen sich der Lärmpegel überhaupt nicht verändert hatte, fühlten sich 2012 stärker belästigt als vorher. 2013 nahm die Belästigung leicht ab, kehrte aber nicht auf das Niveau von 2011 zurück.

Wie stark sich dieser Change Effekt auswirkt, hing von drei Faktoren ab:

  • von der Selbsteinschätzung der Teilnehmenden, wie gut sie mit Lärm umgehen können
  • von ihrer Einstellung zum Luftverkehr
  • von ihrer Erwartung, wie sich der künftige Flugbetrieb auf ihre Wohnsituation auswirken wird.


Wer also zum Beispiel vermutete, dass der Lärm an seinem Wohnort abnehmen würde, fühlte sich bei gleichen Pegel weniger belastet als jemand, der mit einer Lärmzunahme rechnete.

Der Vergleich mit einer älteren Studie aus dem Frankfurter Raum („RDF Studie“) zeigt außerdem, dass die Belästigung seit 2005 insgesamt gestiegen ist. Demnach fühlen sich die Anwohner heute bei gleichem Schallpegel deutlich stärker belästigt als 2011. Auch an den Vergleichsflughäfen Köln/Bonn und Stuttgart liegen die Belästigungswerte deutlich höher, als nach den EU-Standardkurven zu erwarten wäre.

Ortsvergleich

Die vier Flughäfen, in deren Umgebung das NORAH-Team Anwohnerinnen und Anwohner befragt hat, unterscheiden sich erheblich voneinander – in ihrer Größe, in Bezug auf geplante Bauvorhaben und auch hinsichtlich des nächtlichen Flugaufkommens. Es zeigte sich, dass die Menschen im Frankfurter Raum bei gleichem Dauerschallpegelstärker belästigt sind als an den anderen Flughäfen. An zweiter Stelle steht der Flughafen Köln/Bonn. Am geringsten fühlen sich die Menschen im Stuttgarter Raum durch Fluglärm belästigt.

Vergleich der Lärmquellen

Neben dem Fluglärm hat die NORAH-Studie auch den Straßen- und Schienenverkehrslärm im Rhein-Main-Gebiet berechnet und die Anwohnerinnen und Anwohner gefragt, wie sehr sie sich durch welche Lärmart belästigt fühlen. Dabei zeigte sich, dass Fluglärm die Menschen schon bei relativ niedrigen Schallpegeln stärker stört als deutlich lauterer Schienen- und Straßenverkehrslärm.



Weitere Informationen zur Lebensqualitätsstudie finden Sie in den NORAH-Wissen-Heften Nr. 7 (Methoden) und Nr. 13 (Ergebnisse).

Weitere Informationen zu den Ergebnissen der NORAH-Studie finden Sie in NORAH Wissen 14.

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