Pressemappe

Daten und Fakten zur NORAH-Studie

„NORAH” steht für

Noise-Related Annoyance, Cognition, and Health

Laufzeit der Studie

Mai 2011 bis Herbst 2015

 

Wissenschaftliches Konsortium

Expertinnen und Experten von neun unabhängigen Forschungs- und Fachinstitutionen aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaft, Akustik und Physik:

  • Prof. Dr. Rainer Guski, Ruhr-Universität Bochum, Arbeitsgruppe für Umwelt- und Kognitions-psychologie (Leiter Gesamtstudie NORAH)
  • Dipl.-Psych. Dirk Schreckenberg, Zeus GmbH, Zentrum für angewandte Psychologie, Umwelt- und Sozialforschung Hagen (Leiter Gesamtstudie NORAH, Leiter Lebensqualitätsstu-die)
  • Prof. Dr. Andreas Seidler, TU Dresden, Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin (Leiter Studie zu Krankheitsrisiken)
  • Dr. Uwe Müller, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. Köln, Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin, Abt. Flugphysiologie (Leiter Schlafstudie)
  • Prof. Dr. Thomas Eikmann, Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Hygiene und Umweltmedizin und Institut für Medizinische Informatik (Leiter Blutdruckstudie)
  • Prof. Dr. Maria Klatte, Technische Universität Kaiserslautern, Fachbereich Sozialwissenschaften, Abteilung Psychologie II (Leiterin Kinderstudie)
  • Dipl.-Ing. Ulrich Möhler, Möhler und Partner Ingenieure AG, München (Leiter Akustik)
  • Dr. Markus Meis, Hörzentrum Oldenburg GmbH (Unterstützung der Kinderstudie)
  • Prof. Dr. Frank Faulbaum, Dipl.-Soz. Lars Ninke, Sozialwissenschaftliches Umfragezentrum GmbH, Duisburg (Telefonische Befragungen)


Auftraggeber

Auftraggeber der NORAH-Studie ist die Gemeinnützige Umwelthaus GmbH, eine Tochter des Landes Hessen. Die GmbH ist Trägerin des Umwelt- und Nachbarschaftshauses (UNH), einer Informationsstelle für Bürgerinnen und Bürger in Flughafenfragen. Das Umwelthaus ist eine von drei Säulen des Forums Flughafen & Region (FFR) – neben dem FFR Konvent und dem Exper-tengremium Aktiver Schallschutz. Zu den Aufgaben des Umwelthauses gehört es, die verschiedenen Monitorings und Untersuchungen rund um den Flughafen fachlich neutral aufzubereiten und zu veröffentlichen.

Finanzierung

Die Durchführung der NORAH-Studie kostet insgesamt ca. 10 Millionen Euro. Einen Großteil dieser Kosten trägt das Land Hessen – zum Teil direkt, zum Teil über die Gemeinnützige Umwelthaus GmbH. Etwa 11,4 Prozent des Budgets tragen die Luftverkehrsunternehmen Fraport AG und Lufthansa. Außerdem beteiligen sich acht Einzelkommunen im Umland sowie die Initia-tive Zukunft Rhein-Main (28 Kommunen sind als Mitglieder gelistet, außerdem sind Mitglieder BUND und Bündnis der Bürgerinitiativen) finanziell an NORAH – sie tragen 2,2 Prozent der Ge-samtkosten.

Die NORAH-Studie in Zahlen

  • 1.243 Zweitklässler in 85 Schulklassen an 29 Schulen im Umfeld des Frankfurter Flughafens beteiligten sich im Rahmen der Kinderstudie an Befragungen und Tests, zum Bei-spiel einem Lese- und Hörtest.
  • Das NORAH-Team wertete Krankenkassendaten von rund einer Million Personen aus.
  • Das Untersuchungsgebiet beinahe aller NORAH-Teilstudien umfasste einen 2.600 Quadratkilometer großen Bereich rund um den Frankfurter Flughafen, in dem 2007 (Referenz-jahr) Tag und Nacht ein Fluglärm-Dauerschallpegel von mindestens 40 dB (Dezibel) herrschte. Es dehnte sich von Ost nach West etwa 100 Kilometer und in Nord-Süd-Richtung ca. 65 Kilometer aus.
  • Das Untersuchungsgebiet der Studie zu Krankheitsrisiken ging noch über diesen Bereich hinaus: Es umfasste auf ungefähr 8.800 Quadratkilometern alle Wohngebiete im Regierungsbezirk Darmstadt sowie in Mainz und Teilen von Rheinhessen. Seine Abmessung betrug ca. 150 Kilometer von Ost nach West und etwa 120 Kilometer von Nord nach Süd.
  • An etwa 900.000 Wohnadressen im Rhein-Main-Gebiet wurde die Lärmbelastung berechnet.  
  • Über 115.000 Blutdruckmessungen wurden durchgeführt.
  • Mehr als 450 Nächte von Personen im Rahmen der Schlafstudie wurden ausgewertet.

 

Qualitätssicherung

Eine zweistufige Qualitätssicherung sorgte dafür, dass die NORAH-Studie wissenschaftlich kor-rekt vorging und die Methoden sowie Ergebnisse objektiv, zuverlässig und gültig sind. Ein internes Qualitätssicherungsteam prüfte alle Methoden und Ergebnisse, bevor sie an den Auftraggeber übermittelt wurden. Für die externe Qualitätssicherung war der „Wissenschaftliche Beirat Qualitätssicherung“ (WBQ) zuständig: ein neunköpfiges Gremium aus renommierten Wissen-schaftlerinnen und Wissenschaftlern aller für NORAH relevanten Fachrichtungen. Der WBQ beriet das NORAH-Team in regelmäßigen Abständen und prüfte nochmals alle Methoden und Ergebnisse.

 

Weitere Informationen: www.laermstudie.de

 

Stand: Oktober 2015

 

NORAH-Pressebüro des Umwelthauses

Mann beißt Hund – Agentur für Kommunikation GmbH
Julia Seimel
Tel.: +49 (0)40-89 06 96-14
E-Mail: js[at]mann-beisst-hund.de

 

Gemeinnützige Umwelthaus GmbH 

Johanna Schewe
Tel.: +49 (0) 61 07-98 86 8-11
E-Mail: johanna.schewe[at]umwelthaus.org

 

Download Daten und Fakten zur NORAH-Studie (PDF, 62 KB)

 

 

NORAH: Die Lärmwirkungsstudie im Porträt

Vorbeifahrende Autos, Flugzeuge im Landeanflug oder beim Start, bremsende Züge: Die meisten Menschen fühlen sich durch Verkehrslärm gestört – der eine mehr, der andere weniger. Hält der Lärm länger an, kann die Belastung sogar krank machen. Das ist wissenschaftlich durch zahlreiche Studien belegt. Aber viele Fragen über die Wirkung von Verkehrslärm sind bislang noch offen. Zum Beispiel ist nicht genau bekannt, welche Lärmbelastung welche gesundheitli-chen Folgen haben kann und ob manche Menschen gefährdeter sind als andere.

An Fragen wie diesen hat die NORAH-Studie angesetzt. Ihr Name steht für „Noise-Related Annoyance, Cognition and Health“, auf Deutsch „Zusammenhänge zwischen Lärm, Belästigung, Denkprozessen und Gesundheit“. Das interdisziplinäre NORAH-Team hat bei einer ganzen Reihe aktueller Fragestellungen der Lärmwirkungsforschung die bisherigen Hypothesen stabilisieren oder erschüttern können. Dafür haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von neun unabhängigen Institutionen unter Leitung der Ruhr-Universität Bochum zusammengetan: darunter das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. Köln, die Universität Gießen sowie die Technischen Universitäten Dresden und Kaiserslautern. 2011 haben die Wissenschaftler ihre Arbeit aufgenommen. Die Ergebnisse aus der Kinder-Teilstudie wurden bereits im November 2014 vorgestellt; alle Ergebnisse der NORAH-Studie liegen Ende Oktober 2015 vor.

Gesundheit und Lebensqualität in fünf Teilstudien

In insgesamt fünf Teilstudien vertieft NORAH Erkenntnisse vorheriger Studien oder liefert Ant-worten auf Fragestellungen, zu denen bisher widersprüchliche Ergebnisse vorlagen.

Die Teilstudien im Überblick:

  1. Die Lebensqualitätsstudie untersuchte, welche Arten von Verkehrslärm sich wie stark auf die Belästigung und Lebensqualität auswirken. Über 29.000 Menschen im Umkreis von vier deutschen Flughäfen nahmen an den Befragungen über die Belästigung durch Verkehrslärm teil.
  2. Die Studie zu Krankheitsrisiken hat erforscht, ob verschiedene Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden oder Depressionen unter Lärmeinfluss häufiger auftreten. Die Basis dafür lieferten die Krankenkassendaten von rund einer Million Versicherter im Rhein-Main-Gebiet. Zusätzlich befragte das NORAH-Team Studienteilnehmer mit einer Herzkreislaufkrankheit.
  3. Die Blutdruckstudie ging der Frage nach, wie sich Fluglärm auf den Blutdruck auswirkt. Dazu haben die über 800 Studienteilnehmer aus dem Rhein-Main-Gebiet zweimal jeweils drei Wochen lang morgens und abends ihren Blutdruck gemessen.
  4. In der Schlafstudie untersuchte das NORAH-Team die Schlafqualität von Studienteilnehmern im Rhein-Main-Gebiet unter Einfluss von Fluglärm. Die Wissenschaftler fanden heraus, wie gut die Teilnehmer schliefen – nicht im Schlaflabor, sondern bei den Probanden zuhause. Gleichzeitig erfassten sie, welche Geräusche während der Nacht das Ohr der Schlafen-den erreichten.
  5. Die Kinderstudie befasste sich mit der geistigen Entwicklung von Kindern, mit ihren Leseleistungen und ihrer Lebensqualität unter Lärmeinfluss. Über 1.200 Zweitklässler im Rhein-Main-Gebiet und deren Eltern und Lehrer nahmen an dieser Teilstudie teil.

Historischer Lärm rekonstruiert: die NORAH-Akustikdatenbank

Jede der fünf NORAH-Teilstudien sammelte individuelle Informationen über den Gesundheits-zustand und die Lebensqualität der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer. Um einen Zusam-menhang zwischen diesen Informationen und dem Einfluss von Lärm herstellen zu können, mussten die Wissenschaftler so genau wie möglich wissen, welchem Verkehrslärm jeder einzelne Studienteilnehmer in den vergangenen Jahren ausgesetzt war. Diese Aufgabe übernahmen die Akustik-Experten des NORAH-Teams – mit einer Methode zur Lärmberechnung, die an Genauigkeit bisherige Studien weit übertrifft.

Mithilfe von Flug-Radaraufzeichnungen rekonstruierten die Akustiker alle Flugzeugbewegungen der letzten 18 Jahre im Rhein-Main-Gebiet. Die Daten behördlicher Verkehrszählungen gaben ihnen Auskunft über Zahl und Art der Fahrzeuge, die auf den Straßen im Rhein-Main-Gebiet unterwegs waren. Informationen über den Schienenverkehr erhielten die Wissenschaftler vom Eisenbahn-Bundesamt und vom Bahnumweltzentrum Berlin. All diese Informationen verrechneten sie mit einem dreidimensionalen digitalen Geländemodell, das jedes Gebäude und jeden Hügel der Region darstellt. So konnten die Akustik-Experten genau berechnen, wie sich der Schall ausbreitet und wie viel Lärm zu welchem Zeitpunkt der letzten 18 Jahre an welcher Adresse angekommen ist. Für etwa 900.000 Adressen ermittelten die Wissenschaftler auf diese Weise die gegenwärtige und vergangene Lärmbelastung. Mit diesen Informationen konnte das NORAH-Team erkennen, wie sich Verkehrslärm auf die Studienteilnehmer langfristig auswirkt.Bei manchen Fragestellungen reichten selbst die adressgenauen Lärm-Informationen nicht aus. So spielte etwa für die Untersuchung der Schlafqualität die Lärmbelastung unmittelbar im Schlafzimmer eine entscheidende Rolle. In der Kinderstudie wollten die Wissenschaftler außerdem wissen, wie viel Verkehrslärm während des Unterrichts in den Klassenzimmern ankommt. Aus diesem Grund nahm das NORAH-Team auch bauliche Gegebenheiten unter die Lupe: In welchem Stockwerk liegt das Schlafzimmer? Liegt es zur Straße oder zur Rückseite des Hauses? Wie sind die Fenster im Klassenzimmer verglast? Wie lang sind dort die Nachhallzeiten?

 

Die Geschichte der NORAH-Studie

Aktuelle und sichere Erkenntnisse über die Wirkung von Verkehrslärm auf den Menschen sind unerlässlich, um sinnvolle Lärmschutzmaßnahmen zu entwickeln. Trotzdem sind unabhängige Lärmwirkungsstudien selten – denn sie sind extrem aufwändig. Ältere Studien sind heute oft überholt, weil sich das Verkehrsaufkommen verändert hat und Autos, Flugzeuge und Züge leiser als früher, dafür aber in größerer Zahl unterwegs sind. Zudem stehen heute genauere Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Unter anderem deshalb plädierte eine Runde von Verkehrslärm-Expertinnen und -Experten im April 2010 im hessischen Kelsterbach für eine neue Studie. Der Gastgeber der Diskussionsrunde, das Forum Flughafen und Region (FFR), hatte die Wissenschaftler zu einem Austausch über den aktuellen Stand der Lärmwirkungsforschung geladen. Die gemeinsame Empfehlung: mit einer neuen, umfangreichen Studie die wichtigsten Forschungslücken schließen.

Um die Neutralität der Studie sicherzustellen, wurde ein mit Vertretern aller Interessengruppen – von den Bürgerinitiativen über die Kommunen bis hin zur Luftverkehrswirtschaft – paritätisch besetzter „Begleitkreis“ eingerichtet. Sowohl das Studiendesign als auch die Studie selbst wurden europaweit ausgeschrieben und intensiv in den Gremien des FFR  und mit Fachleuten diskutiert. Berücksichtigt wurden auch die Ergebnisse einer Anhörung des Hessischen Landtags zu dem Thema. Im April 2011 erhielt ein wissenschaftliches Konsortium unter der Leitung der Ruhr-Universität Bochum den Zuschlag. Im Mai nahmen die NORAH-Wissenschaftler ihre Arbeit auf. Die Durchführung der Studie dauerte über vier Jahre. Nachdem im Herbst 2014 bereits die Resultate der NORAH-Kinderstudie veröffentlicht werden konnten, stellten die Wissenschaftler die Ergebnisse der anderen Teilstudien im Oktober 2015 vor.


Weitere Informationen: www.laermstudie.de

Stand: Oktober 2015

 

NORAH-Pressebüro des Umwelthauses

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Julia Seimel
Tel.: +49 (0)40-89 06 96-14
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Tel.: +49 (0) 61 07-98 86 8-11
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Download NORAH: Die Lärmwirkungsstudie im Portrait (PDF, 67 KB)

 

 

 

 

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Journalistin Monika Seynsche interviewt die NORAH-Wissenschaftler.

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