Klare Ergebnisse für Herzinsuffizienz

Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer Herzinsuffizienz, wenn das Herz nicht in der Lage ist, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Die in der Alltagssprache auch Herzschwäche genannte Krankheit kann viele Ursachen haben. Bei vielen Betroffenen sind die Herzkranzgefäße und in der Folge der Herzmuskel geschädigt. Bluthochdruck begünstigt eine Herzinsuffizienz ebenfalls. Auch wenn die Erkrankten bessere Überlebenschancen haben als Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Patienten, ist die Herzinsuffizienz die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. 2013 starben 45.815 Menschen hierzulande daran.

Zusammenhänge mit allen drei Verkehrslärmarten entdeckt

Die Grafik zeigt eine lineare Risikoerhöhung (violette Linie) von 1,6% pro 10 Dezibel (statistisch signifikant).
Die Grafik zeigt eine lineare Risikoerhöhung (violette Linie) von 2,4% pro 10 Dezibel (statistisch signifikant).
Die Grafik zeigt eine lineare Risikoerhöhung (violette Linie) von 3,1% pro 10 Dezibel (statistisch signifikant).


Sowohl Fluglärm als auch Schienen- und Straßenlärm erhöhen statistisch signifikant das Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln.

  • Am deutlichsten ist dieser Zusammenhang beim Schienenlärm ausgeprägt: Je zehn Dezibel Lärmzuwachs steigt das Herzschwäche-Risiko um 3,1 Prozent.
  • Straßenlärm erhöht das Risiko einer Herzinsuffizienz um 2,4 Prozent, wenn der Lärm um zehn Dezibel zunimmt.
  • Mit 1,6 Prozent pro zehn Dezibel ist die Risikoerhöhung unter dem Einfluss von Fluglärm etwas geringer – aber auch dieses Ergebnis ist statistisch signifikant. Hinzu kommt auch hier, dass die Fluglärm-Ergebnisse tendenziell unsicherer als die Straßen- und Schienenlärm-Ergebnisse sind, da es keine Fluglärmpegel oberhalb von 65 Dezibel in der untersuchten Region gab.

Darüber hinaus geben die Daten Hinweise darauf, dass auch die Wohndauer eine Rolle spielt: Demnach könnte sich das Risiko einer Herzschwäche bei Personen erhöhen, die mehrere Jahre in einer lärmbelasteten Region leben. Dieser Annahme sollten weitere Studien nachgehen.

Eine Befragung ergänzt die Krankenkassendaten

Bei der Herzschwäche sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch einen Schritt weiter gegangen: Sie haben nicht nur die Krankenkassendaten analysiert, sondern auch in Form einer vertiefenden Befragung weitere Informationen über die Herzschwäche-Patientinnen und -Patienten gesammelt und ausgewertet. Dazu schrieben die Krankenkassen einen Teil der Versicherten an. Knapp 3.000 Personen, die an Herzinsuffizienz erkrankt waren, sowie eine hohe Anzahl an „Kontrollpersonen“, die nicht an einer Herzschwäche litten, meldeten sich daraufhin bei der Erhebungsstelle der Studie in Gießen und nahmen anschließend an einer vertiefenden Befragung teil.

Anhand der durch die vertiefende Befragung gewonnenen Daten konnten sie sicherstellen, dass sich die gefundenen Verkehrslärmrisiken für Herzschwäche nicht durch weitere Faktoren erklären lassen. Das spricht dafür, dass die erhöhten Erkrankungsrisiken tatsächlich durch die Verkehrslärmbelastung verursacht sind.

Lärm innerhalb der Wohnung berücksichtigt

Darüber hinaus konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dank der zusätzlichen Informationen Erkenntnisse darüber gewinnen, wie laut es innerhalb der Wohnungen der Befragten war. Dafür gaben die Teilnehmenden unter anderem an, wie ihr Schlafzimmer im Haus ausgerichtet ist und ob das Schlafzimmerfenster nachts vorwiegend gekippt oder geschlossen ist. Aus diesen Angaben errechnete das NORAH-Team zunächst die Schallpegel im Inneren der Wohnung und anschließend das Herzinsuffizienzrisiko in Abhängigkeit vom Innenraumpegel.

Das Ergebnis: Generell steigen die Risikoschätzer, wenn die Innenraumpegel anstelle der Außenpegel betrachtet werden. Dies gilt für Fluglärm, für Straßenlärm und für Schienenlärm. Dieses Ergebnis spricht grundsätzlich dafür, dass Verkehrslärm eine Herzschwäche verursachen kann.

Lesehilfe Infografiken

Die Studie zu Krankheitsrisiken erforscht, ob bei steigender Lärmbelastung das Risiko steigt, eine der fünf untersuchten Krankheiten zu entwickeln. Die Ergebnisse ihrer Forschung geben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Form sogenannter Expositions-Wirkungs-Kurven wieder.

 

1 | Dauerschallpegel

Diese Achse zeigt den Dauerschallpegel an. Von links nach rechts nimmt der Lärm zu. Für einige Berechnungen legten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch „Schallpegelklassen“ zugrunde. Lag zum Beispiel der Dauerschallpegel an der Adresse eines Versicherten bei 63,7 Dezibel, dann flossen seine Gesundheitsdaten in die Berechnungen für die Schallpegelklasse „≥60 dB – <65 dB“ ein.

 

2 | Risikoschätzer

Risikoschätzer geben an, wie hoch das „relative Erkrankungsrisiko“ ist. 1 entspricht gewissermaßen dem „Grundrisiko“ eines Menschen, der nicht durch Verkehrslärm belastet ist. Liegt der Wert höher, deutet das darauf hin, dass Lärm dieser Größenordnung zur Erkrankung beitragen kann. Zusätzliche Berechnungen müssen zeigen, ob ein erhöhtes oder erniedrigtes relatives Risiko statistisch signifikant und somit mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zufällig zustande gekommen ist.

 

3 | Expositions-Wirkungs-Kurve

Die Expositions-Wirkungs-Kurve gibt an, wie sich mit zunehmendem Lärm das Krankheitsrisiko verändert. In diesem Beispiel steigt pro zehn Dezibel das Risiko um 2,8 Prozent. Zusätzliche Berechnungen zeigen, ob diese Steigung statistische Signifikanz besitzt.

 

4 | Konfidenzintervalle

Das Konfidenzintervall ist ein statistisch errechneter Vertrauensbereich ober- und unterhalb des Risikoschätzers. Je kleiner das Konfidenzintervall ist, desto zuverlässiger und aussagekräftiger ist der Risikoschätzer. Üblich ist die Angabe eines 95- Prozent Konfidenzintervalls. Das bedeutet – vereinfacht gesagt –, dass das „tatsächliche“ Risiko mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit innerhalb dieses Bereiches liegt. Die Grafiken zeigen sowohl die 95-Prozent-Konfidenzintervalle der einzelnen Risikoschätzer an (schwarze senkrechte Linien) als auch das 95-Prozent-Konfidenzintervall ober- und unterhalb der Expositions-Wirkungs-Kurve (rosa Bereich).

NORAH-Studie zu Krankheitsrisiken: Dokumente zum Download

NORAH Videos

Ergebnisse NORAH-Studie zu Krankheitsrisiken: Interview mit Prof. Dr. Andreas Seidler.

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NORAH-Filme

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