Standortvergleich:
Jeder Flughafen ist anders

Ein zentraler Bestandteil der Lebensqualitätsstudie ist der Vergleich von vier Flughäfen in Deutschland. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten herausfinden, ob sich die Menschen in der Nähe der Flughäfen Frankfurt, Köln-Bonn und Stuttgart sowie im Umfeld des geplanten Flughafens Berlin-Brandenburg bei vergleichbarem Lärm gleich stark belästigt fühlen. Die vier Flughäfen unterscheiden sich in mehrerer Hinsicht voneinander:

  • In Frankfurt sind geplante Starts und Landungen seit Oktober 2011 zwischen 23 und 5 Uhr verboten. Außerdem hat sich die Lärmkulisse im selben Monat geändert, weil eine neue Landebahn in Betrieb gegangen ist. Deshalb war hier mit einem Change Effekt zu rechnen.
  • In Berlin-Brandenburg fliegen noch gar keine Flugzeuge – Fluglärm in der Region stammte zur Zeit der Befragung ausschließlich vom Berliner Flughafen Schönefeld. Aber mit der geplanten Flughafeneröffnung steht in der Region eine Änderung der Lärmkulisse an. Damit könnte es zu einem Change Effekt kommen.
  • In Köln/Bonn finden auch nachts Starts und Landungen statt. Ausbaupläne gibt es nicht.
  • In Stuttgart ruht nachts der Betrieb, und wie in Köln/Bonn gibt es keinerlei Pläne zum Ausbau.

Das NORAH-Team befragte im Umfeld der vier Flughäfen jeweils mehrere tausend Menschen, wie sehr sie sich auf einer fünfstufigen Skala durch den Fluglärm der vergangenen zwölf Monate belästigt fühlten und wie sie ihre Lebens- und Schlafqualität einschätzten. Eins stand für überhaupt keine, Fünf für äußerst starke Belästigung. Akustiker ermittelten außerdem die Dauerschallpegel für die Adressen der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer.

Wo leben die meisten „hoch Lärmbelästigten“?

Der Anteil der stark oder äußerst belästigten Personen war an den verschiedenen Standorten unterschiedlich hoch. In Köln/Bonn gab es zum Beispiel bei 52 Dezibel mehr „hoch Belästigte“ als in Stuttgart oder Berlin-Brandenburg.


Wie schon beim Zeitvergleich im Rhein-Main-Gebiet spielte auch im Standortvergleich der Anteil der „hoch Lärmbelästigten“ eine wichtige Rolle. Als hoch lärmbelästigt bezeichnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler alle Teilnehmenden, die ihre Lärmbelästigung entweder mit Vier oder Fünf bewerteten.

Auf diese Weise fand das NORAH-Team heraus, dass sich die Menschen an den verschiedenen Standorten sehr unterschiedlich stark belästigt fühlen: Von Dauerschallpegeln bis etwa 52 Dezibel fühlen sich in Köln/Bonn mehr Menschen belästigt als in Stuttgart und Berlin-Brandenburg. Mit zunehmender Lautstärke steigt in Stuttgart der Anteil der hoch Belästigten. Noch höher ist der Anteil der hoch Belästigten im Umfeld des Flughafens Frankfurt: Ab einem Schallpegel von etwa 45 Dezibel fühlten sich im Rhein-Main-Gebiet 2013 mehr Menschen stark oder äußerst stark belästigt als an den anderen Flughäfen.

2011 gab es in Frankfurt bei Schallpegeln über 47 Dezibel mehr hoch Belästigte als in Köln-Bonn. 2012 war die Belästigung in Frankfurt im Vergleich zu den anderen drei Standorten besonders hoch – vermutlich aufgrund des Change Effekts. Schon bei einem Dauerschallpegel ab etwa 42 Dezibel fühlten sich in der Region deutlich mehr Menschen durch Fluglärm „hoch belästigt“ als an den drei anderen Standorten. Allerdings liegt an allen vier untersuchten Flughäfen dle Lärmbelästigung höher als aufgrund von Standardkurven, die innerhalb der Europäischen Union zur Berechnung von  Fluglärmbelästigung verwendet werden, zu erwarten wäre.

Wie Flughafenanrainer ihre Schlafqualität bewerten

Die Befragten machten Angaben zu ihrer eigenen Schlafqualität. In etwas weniger fluglärmbelasteten Regionen beurteilten Anwohner des Flughafens Frankfurt ihre Schlafqualität am schlechtesten.


Ein etwas anderes Bild zeigte sich, als die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Antworten zur Schlafqualität an den verschiedenen Standorten auswerteten. Das NORAH-Team untersuchte im Rahmen der Lebensqualitätsstudie nicht direkt die Schlafqualität der Studienteilnehmer, sondern fragte sie, wie sehr sie der Verkehrslärm in ihrem Schlaf stört. Wieder kam dazu eine fünfstufige Skala zum Einsatz. Das Ergebnis: 2011, also vor Einführung des Verbots planmäßiger Flüge zwischen 23 und 5 Uhr am Flughafen Frankfurt, fühlten sich die Menschen in dieser Region in ihrem Schlaf deutlich stärker durch Fluglärm gestört als an den anderen Flughäfen – bei niedrigen Dauerschallpegeln ebenso wie bei höheren. In den beiden Folgejahren verringerten sich die Schlafstörungen aus der Sicht der Betroffenen im Frankfurter Raum etwas: Bei Dauerschallpegeln ab etwa 57 Dezibel empfanden die Menschen hier ihren Schlaf als weniger gestört als die Befragten im Umfeld des geplanten Flughafens Berlin-Brandenburg. Bei niedrigeren Dauerschallpegeln fühlten sich nach wie vor die Menschen im Rhein-Main-Gebiet stärker in ihrem Schlaf  gestört. An zweiter Stelle folgten die Befragten im Umfeld des Köln/Bonner Flughafens.

Eine nähere Analyse der Antworten zeigte, dass die Befragten vor allem der Ansicht waren, dass sie nach der Einführung der nächtlichen Ruhepause am Flughafen Frankfurt besser durchschliefen. Ihre Einschätzungen, wie gut sie ein- und ausschliefen, unterschieden sich in den drei Jahren deutlich weniger voneinander. Weitere Erkenntnisse zur Schlafqualität im Rhein-Main-Gebiet liefert die NORAH-Schlafstudie.

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Ergebnisse NORAH-Lebensqualitätsstudie: Interview mit Dipl.-Psych. Dirk Schreckenberg.

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